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#47

DIE ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Documenta: Die Athener Kunstszene lebt!

Snapchat-Filter; Lächeln aus fremden Ländern; der Parthenon; Graffiti-Tags; die orientalische Seele des Flohmarkts; die westliche Start-up-Mentalität; Gesichter voller Optimismus; Finger auf Smartphones; Junge & Mädchen; Junge & Junge: das ist der Alltag in Athen. Mikrokosmos der globalen Herausforderungen und Schmelztiegel der Kreativität – die Projektion einer lebenswerten Zukunft, die gerade erst anbricht. Ein Raum im Kontinuum der Zeit, in dem der Wandel lebt...

Natürlicher Wandel: Kunst ist die Pionierpflanze einer Kulturlandschaft im Umbruch. Wo andernorts die Gentrifizierung um sich gereift, heißt die Athener Analogie Artifizierung. Künstler zeichnen ein Bild neuer Farben, die aus dem Dunkel des urbanen Strudels hervorbrechen, und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die wahre Schönheit unseres verzerrten Angesichts zu zeigen: die hybride Physiognomie einer aufstrebenden und zugleich aufblühenden Stadt.

Die Documenta14 ist der beste Beleg dafür: Zum ersten Mal in ihrer mehr als 60-jährigen Geschichte wagt sich die renommierte Ausstellung über ihren „sicheren Hafen” in Kassel hinaus, um parallel in Athen einen Dialog zwischen „Gastgeber” und „Gast” zu eröffnen über alles, was uns (scheinbar) trennt und vereint: Freiheit, Hoffnung, Gesellschaft, Bürgertum, Norden, Süden, Europa, die Welt. 

Dabei ist die Documenta14 nur ein Indikator für eine Kunstszene, die unter der sichtbaren Oberfläche schon seit Jahren schwelt – bereit, als helles, warmes, kraftvolles Feuer gesellschaftlicher Aktion, Reaktion und Erkenntnis zu entflammen. Selbstbewusst tritt sie ans Licht, für jeden sichtbar, für jeden erlebbar – im Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst, das erst jüngst seine Tore geöffnet hat, um die Botschaft des Umbruchs durch seine weiten, offenen Hallen schweben  zu lassen. Du wirst ihre Schwingung spüren, im Atrium des Neuen Benaki-Museums in der Pireosstraße , angesichts einer Performance, die dich fundamentale Werte, wie Freiheit, Gut, Böse, Schönheit – Werte, die wir gedankenloserweise für selbstverständlich halten – unvermittelt hinterfragen lässt. Du wirst ihrer Kraft gewahr werden – durch einen langen Kuss zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Liebenden, ein Video-Kunstprojekt zu (verwehrten) LSBT-Rechten. Und du wirst ihre Energie in dich aufnehmen – aus Leinwänden, die eine überwältigende Dynamik transportieren, aus aufwühlenden Kritzeleien und Bildern von Kindern, die eben erst in dieses Land gekommen sind, aus überlebensgroßen Wandmalereien mitten in der Stadt – und du wirst sie einmal mehr in Neues umwandeln.

Das ist Wandel. Er vollzieht sich jetzt. In Athen. Dokumentiert.


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